Technologie und Wissenschaft sind in der Informationsgesellschaft zu einem zentralen Thema des gesellschaftlichen Diskurses geworden. Um den gestiegenen öffentlichen Interesse an diesen Entwicklungen Rechnung zu tragen, spüren die Sonden-Gespräche den neusten Erkenntnissen der Wissenschaften nach. Da wissenschaftliche Entwicklungen nicht nur die Lebenswelt, sondern auch den Blick auf die Welt nachhaltig verändern, wird es in den Vorträgen neben den technisch-wissenschaftlichen Aspekten auch um die gesellschaftlichen Implikationen gehen.
Die Veranstaltungsreihe will durch die Vorträge von visionären Wissenschaftlern über die Perspektiven von Forschung informieren. In den anschließenden Dialogrunden besteht für das Publikum die Möglichkeit, diese Entwicklungen gemeinsam mit den Wissenschaftlern zu diskutieren.
Mittwoch, 16. November 2011, um 19.30 Uhr
Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe Sonden in die Wissenschaft
Coachingwunder? – Coachingwahn!
Über ein optimierungsfähiges Arbeitsfeld und seine Kunden
Mit Dr. Erik Lindner
Heutige Berufs- und Alltagswelten nehmen ständig in ihrer Komplexität zu. Daraus erwächst neuer Optimierungsdruck und Stress, was zu Konflikten, Überanstrengungen und Gefühlen der Angst und Ohnmacht führen kann.
Nicht selten suchen Betroffene Hilfe beim Coach. Im deutschsprachigen Raum gibt es schon mehr als 40.000Coaching-Anbieter. Doch leisten diese wirklich effektive Hilfe bei der Orientierung in Beruf und im Privatleben? Oder sind sie allzu oft überbezahlte Dienstleister mit fragwürdigen Qualifikationen?
Das Torgespräch möchte diesen Fragen nachgehen und das Berufsfeld des »Coach« kritisch beleuchten.
Ein Korreferent aus dem Personalwesen eines Berliner Unternehmens wird die Thesen des Vortragenden kommentieren.
Dr. Erik Lindner studierte Geschichte, Publizistik und Politikwissenschaften. Als Buchautor bearbeitet er wirtschaftsbiografische Themen. Mit Coachingwahn. Wie wir uns hemmungslos optimieren lassen schrieb er 2011 das erste Porträt der Coaching-Branche im deutschsprachigen Raum. Seit 2010 ist er Geschäftsführer im Stiftungswesen.
Mittwoch, 19. Oktober 2011, 19.30
Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe Sonden in die Wissenschaft
Mit Prof. Franz-Theo Dr. Gottwald
Hauptsache billig? Hauptsache satt?
Oder: welcher Fleischkonsum wäre verantwortbar?
In Deutschland gibt es alle paar Jahre einen Skandal rund um Fleisch- und Wurstwaren. Ob BSE, Gammelfleisch, Dioxin im Schweinefleisch und Futtermitteln oder Nitrofen im Hühnerfleisch – die Liste ist erschreckend lang.
Berichte über das Tierleid bei Haltung, Transport und vor der Schlachtung verunsichern zusätzlich immer mehr Menschen. Schließlich verhindern die nicht abweisbaren, fatalen ökologischen und sozialen Folgen eines ungebremsten Fleischkonsums angesichts des Hungers in der Welt einen Genuss mit gutem Gewissen. Klimaschutz- und Umweltschutzziele der Weltgemeinschaft werden sich nur erreichen lassen, wenn eine nachhaltige Nutztierwirtschaft global verfolgt wird.
Mit der biologischen Fleischproduktion und der handwerklichen, regionalen Verarbeitung gibt es aber auch Alternativen. Die meisten Fortschritte zu einem „Tierschutz auf dem Teller“ werden durch Verbraucher getrieben, die einen nachhaltigen Lebensstil rund um den Verzehr von Eiern, Fleisch- und Wurstwaren, sowie Milch oder Milchprodukten, bewusst praktizieren.
Professor Dr. Franz-Theo Gottwald leitet seit 25 Jahren die Schweisfurth-Stiftung für nachhaltige Ernährungswirtschaft in München. Er ist Honorarprofessor für Umwelt-, Agrar- und Ernährungsethik an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt Universität Berlin. In zahlreichen Publikationen hat er sich mit Fragen rund um die Zukunft der Ernährung auseinander gesetzt - zuletzt erschienen: „Esst anders“ (2011). Er berät zu Fragen der Verbraucher-, Agrar- und Ernährungspolitik im In- und Ausland.
Anmeldung unter: marcus.peter@stiftungbrandenburgertor.de
Mittwoch, 6. Juli 2011 um 19.30 Uhr
Biokraftstoffe –
Klimaschutz versus Ernährung?
Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe Sonden in die Wissenschaft zum Thema
Mit Prof. Dr. Hans-Peter Piorr
Bioenergien und Biokraftstoffe gelten als ein besonders kontroverses Themenfeld, das zudem schwankenden Konjunkturen unterliegt. 2007 und 2008, im Angesicht von Aufständen wegen Nahrungsmittelknappheit, standen die sozialen Auswirkungen im Vordergrund, da in einigen Erdteilen die Flächenkonkurrenz zwischen Biokraftstoffen und Nahrungsmitteln deutlich geworden war. Der globale Rückgang der Nachfrage nach Biokraftstoffen – und auch nach Nahrungsmitteln – aufgrund der Finanz- und Wirtschaftskrise ließ diese Debatten in kurzer Zeit verstummen. Aktuell sind Biokraftstoffe wieder in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt, weil nach einer Studie im Auftrag der Europäischen Union ihre Klimabilanz weitaus umstrittener erscheint, als Seite bisher angenommen wurde.
Der Vortrag liefert einen Überblick über den aktuellen Sachstand hinsichtlich der derzeitigen ökonomischen, ökologischen und sozialen Bilanzen der Biokraftstofferzeugung und -verwertung.
Professor Dr. Hans-Peter Piorr studierte Agrarwissenschaften und ist seit 2003 Vizepräsident für Forschung und Technologietransfer an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH). Er ist seit 2001 Inhaber der Professur für Landwirtschaftliche Nutzung im Fachbereich Landschaftsnutzung und Naturschutz. Eine seiner jüngsten Publikationen für die Friedrich-Ebert Stiftung in Bonn behandelt die Problematik der Produktion von Biokraftstoffen aus agrarischen Rohstoffen: Biokraftstoffe – Lösung, Problem oder nur Teil der Landschaft (2010).
Torgespräch Wissenschaft
am Dienstag, 24. Mai 2011 um 19.30 Uhr
im Max Liebermann Haus, Berlin-Mitte, Pariser Platz 7
Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe Sonden in die Wissenschaft zum Thema
Saisonal und regional - Ernährung, Artenvielfalt und Ressourcenschonung
Bewusstes und regionales Essen kann als Gegenbewegung zum Trend der uniformen, globalisierten und industriell hergestellten Nahrungsmittel gelten. Der bewusste Umgang mit Lebensmitteln – von der Herstellung über Einkauf bis zur Zubereitung – bildet die Basis für eine neue ökologische Esskultur.
Der Erhalt der Pflanzen- und Tiervielfalt spielt dabei genauso eine Rolle wie der nachhaltige Umgang mit Ressourcen. Was einst als eine Grasswurzelbewegung in Ökoläden der 1970er Jahre in Deutschland, den Urban Gardening Projekten in den USA und mit der Gründung der Slow Food-Bewegung in Italien begann, ist inzwischen zu einem Thema geworden, das immer mehr Verbraucher und Landwirte, Verarbeiter und Händler rund um den Globus anregt, neue Wege der Ernährungs- und Agrarkultur zu beschreiten.
Susanne Kippenberger studierte Amerikanistik/Anglistik und Germanistik. Sie ist seit zehn Jahren als Redakteurin des Berliner Tagesspiegels für die Seite „Essen & Trinken“ verantwortlich. Sie ist Autorin des Buches „Am Tisch. Die kulinarische Bohème und die Entdeckung der Lebenslust“.
Donnerstag, 24. März 2011, 19.30 Uhr
Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe Sonden in die Wissenschaft zum Thema
Zwischen Aufklärung und Unterhaltung –
Wissenschaftsjournalismus in populären Medien
mit Christoph Drösser
Wissenschafts- und Wissensthemen liegen im Medientrend. Wissenschaftsbezogene Titelgeschichten verkaufen sich gut, und die meisten überregionalen Medien haben inzwischen gut ausgestattete Wissenschaftsredaktionen. Gleichzeitig ist ein Trend weg vom "Wissenschaftsjournalismus" hin zum "Wissensjournalismus" zu erkennen, in denen unterhaltsame, zeitlose Themen aufgegriffen werden, die wenig mit den aktuellen Forschungen und Ergebnissen der Wissenschaft zu tun haben. Wird Wissenschaft in den Medien angemessen wiedergegeben? Was können Wissenschaftler tun, damit ihre Arbeit und die gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen sie stattfindet, angemessen in der Öffentlichkeit dargestellt werden?
Christoph Drösser ist Redakteur im Ressort Wissen der Wochenzeitung "Die Zeit". Bekannt ist er auch durch seine seit 13 Jahren laufende "Zeit"-Kolumne "Stimmt's?", in der er Fragen seiner Leser nach Legenden des Alltags beantwortet. Er veröffentlichte viele Bücher, zuletzt "Der Musikverführer", "Der Physikverführer", "Stimmt's? Das große Buch der modernen Legenden". Vom Medium-Magazin wurde Christoph Drösser als "Wissenschaftsjournalist des Jahres 2005" ausgezeichnet. 2008 erhielt er den Medienpreis der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV). Er lebt und arbeitet in Hamburg.

