Die durch die Stiftung initiierten Torgespräche sind eine nach dem Sitz der Stiftung am Brandenburger Tor benannte Veranstaltungsreihe, die regelmäßig im Max Liebermann Haus stattfindet. Sie dient einerseits der Pflege des Austausches zwischen Künstlern und anderen Persönlichkeiten aus dem kulturellen Leben Ost- und Westeuropas - gemäß ihrem Leitsatz im Förderbereich Kultur -, bietet anderseits eine Plattform für Gespräche zu aktuellen gesellschaftlichen Themen sowie für Themenbereiche der Förderbereiche Wissenschaft und Bildung.

Bei den Torgesprächen handelt es sich um Podiumsdiskussionen, Vorträge oder auch Lesungen, die auch in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern stattfinden können.



Mittwoch, 14. Juli 2010 um 19:30 Uhr
Vortrag im Rahmen der Rudolf-Arnheim-Professur in Verbindung mit der Humboldt-Universität zu Berlin

„Translated! Towards Another Cosmopolitan Ethics in German-Turkish Relations“
Übersetzt! Zu einer neuen kosmopolitischen Ethik in deutsch-türkischen Beziehungen

Ein Vortrag von Prof. Dr. Esra Akcan in englischer Sprache

In einer globalisierten Gesellschaft, in der die Anerkennung tradierter interkultureller Beziehungen uns ermutigt, die Normen der Moderne zu überdenken, ist es umso wichtiger, Theorien zu entwickeln, die sowohl die Spannungen als auch das Potenzial von miteinander verflochtenen Schicksalen wirksam analysieren. Der Vortrag wird eine Übersetzungstheorie vorstellen, die ein solches Bestreben umsetzen kann – eher als die verschwommenen Konzepte von Mischformen und Kulturwandel, oder die passiven Metaphern von Import und Transfer. Der Fokus wird auf der Geschichte des Austausches liegen, der die Wohnkultur in Deutschland und die in der Türkei im 20. Jahrhundert formte. Um eine Taxonomie verschiedener Erfahrungen des jeweils „Anderen“ an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit zu entwickeln, werden die architektonischen Arbeiten eines türkischen Reisenden in Berlin (Sedad Eldem), eines deutschen Immigranten in Istanbul (Bruno Taut) und eines „internationalen Architekten“ von Wohnbauten türkischer Immigranten in Berlin (Alvaro Siza) gegenübergestellt. Gerade durch die Übersetzung öffnet sich ein Land dem, was bisher fremd war, modifiziert und bereichert seine politischen Institutionen und kulturellen Formen, während es gleichzeitig seine lokalen Normen mit denen der anderen verhandelt. Historisch gesehen sind Übersetzungsmethoden nicht von der geographischen Verteilung von Macht zu trennen und können kaum als neutraler und fairer Austausch betrachtet werden. Daher wird Übersetzung als eine umstrittene Kontaktzone für den kulturellen Dialog definiert, in der geopolitische Spannungen freigelegt, beigelegt oder gegenübergestellt werden – eine Zone, in der sich die Möglichkeit einer neuen kosmopolitischen Ethik herausbildet oder weiter verschließen wird.
(Esra Akcan)

Prof. Dr. Esra Akcan ist Assistant Professor an der Universität von Illinois und im Sommersemester 2010 Arnheim-Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihren Abschluss in Architektur erlangte sie an der Middle East Technical University in Ankara, ihre Promotion schrieb Akcan an der Columbia University in New York. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Forschungsstipendien, u.a. von der Graham Foundation, der Mellon Foundation, von Carter Manny, dem DAAD und KRESS / ARIT. Akcan hat zahlreiche Fachartikel in englischen und türkischen Periodika veröffentlicht. Sie ist Gast-Herausgeberin einer Sonderausgabe von Domus zum Thema Globalisierung und von Centropa zum Thema deutsch-türkische Beziehungen. Momentan schreibt Akcan als Mitautorin an einem Buch über moderne türkische Architektur und beendet ihr drittes Buch Modernity in Translation – Thema auch hier: deutsch-türkische Beziehungen in der Wohnkultur.



14. – 16 Juni 2010
Sammler, Mäzene und Kunsthändler als Wegbereiter der Moderne in Berlin 1880 – 1933
Eine gemeinsame Veranstaltung des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien, des Kollegiums Jüdische Studien an der Humboldt-Universität und der Stiftung Brandenburger Tor.

Die Konferenz stellt das Leben und Werk insbesondere der deutsch-jüdischen Kunstsammler und Kunsthändler Berlins in den Vordergrund. Dabei soll die Leistung dieser meist nur in Fachkreisen bekannten Förderer und Wegbereiter der Moderne herausgearbeitet und die enge Verknüpfung zwischen Künstlern, Händlern und Sammlern (wieder) sichtbar gemacht werden. Denn vor dem Hintergrund heutiger Kunstmarktpreise gerät oft in Vergessenheit, dass die Moderne ihre Popularität in erster Linie der Förderung einiger weniger Sammler verdankt.

14. Juni

14 – 18 Uhr
Vorträge von Dr. Monika Tatzkow, Dr. Christian Kennert

19 Uhr
Abendvortrag Prof. Dr. Julius Schoeps

15. Juni

9:30 Uhr – 18 Uhr
Vorträge von Dr. Anna-Dorothea Ludewig, Dr. Michael Dorrmann, Dr. Andreas Strobl, Prof. Dr. Bogomila Welsh-Ovcharov, Dr. Sebastian Panwitz, Michael Jurk, Dr. Ines Sonder

16. Juni

9:30 Uhr – ca. 13 Uhr
Prof. Dr. Jost Hermand, Christina Feilchenfeld

Das komplette Programm finden Sie hier.

Um Anmeldung bis 1. Juni 2010 wird gebeten:

Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien
Anna-Carolin Augustin
Am Neuen Markt 8
14467 Potsdam
Telefon +49 331 28094-0
Fax +49 331 28094-50
aaugusti@uni-potsdam.de



28. April, 19:30 Uhr
Künstlergespräch im Rahmen der Rudolf-Arnheim Gastprofessur
Mit freundlicher Unterstützung des Berliner Künstlerprogramms, des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin und des Wissenschaftskollegs zu Berllin

Anna Konik, Gastprofessorin im SS 2009 im Gespräch mit Ariane Beyn, Leiterin der Sparte Bildende Kunst des DAAD

Von diesem Abend an bis zum 21. Mai wird die Arbeit „The Villa of the Entranced“ (2009/2010) zu sehen sein, die während des Aufenthaltes von Anna Konik als Fellow im Wissenschaftskolleg zu Berlin 2008/2009 entstand.

Max Liebermann Haus, Pariser Platz, Berlin-Mitte
Mo – Fr 10 – 18Uhr, Eintritt frei

Die Villa des Wissenschaftskollegs zu Berlin im Bezirk Grunewald – einem großbürgerlichen Viertel, in dem vor dem Zweiten Weltkrieg viele jüdische Familien wohnten – ist heute ein Ort, an dem herausragende Wissenschaftler aus der ganzen Welt für ein Jahr zurückgezogen nachdenken können. Diesen Ort mit seinen illustren Bewohnern untersucht Anna Konik in ihrer Arbeit The Villa of the Entranced als eine Pforte zu einer anderen Wirklichkeit. Für sie bezaubert diese Villa ähnlich wie Jorge Luis Borges‘ Bibliothek von Babel, den Besucher durch ihr Modell eines Universums aus Texten, die die Gesamtheit aller möglichen Gedanken darstellen. Bei Borges heißt es: „Sämtliche Bücher, wie verschieden sie auch sein mögen, [bestehen] aus den gleichen Elementen: dem Raum, dem Punkt, dem Komma, den zweiundzwanzig Lettern des Alphabets. ... In der ungeheuer weiträumigen Bibliothek gibt es nicht zwei identische Bücher.“

Diese neueste Video-Installation von Anna Konik knüpft an frühere Projekte an – Transparency (2002/2004), In the Middle of the Way (2001-2007 work in progress), oder Our Lady`s Forever (2007) handelten von Einzelschicksalen und all dem was mit einem flüchtigen Blick nicht wahrnehmbar ist. Im Unterschied zu früheren Arbeiten bezieht sich das Projekt The Villa of the Entranced nicht auf bestimmte menschliche Schicksale, sondern konzentriert sich auf die Emotionalität eines Ortes.

The Villa of the Entranced besteht aus mehreren Simultanprojektionen. Der Raum und die Fortbewegung des Betrachters darin sind die Elemente, nach der sich die Wahl des Standortes der Projektionen ausrichtet. Die Bewegung verbindet sie miteinander und der so erschlossene Raum bezieht sich auf die architektonische Form des Gebäudes der Villa, wie es bereits bei der ersten Präsentation des Projektes in der Nationalgalerie Zachęta in Warschau (2009) zu sehen war. Indem der Betrachter durch eine Tür in die Projektion der Fassade eintritt, überschreitet er eine imaginäre Grenze zwischen der äußeren realen und der inneren illusionistischen Welt. Der Betrachter taucht ein in eine Reihe assoziativer, vervielfältigter Reflexionen und Spiegelungen des Hauses und seiner Elemente. Die Projektionen haben keine lineare Konstruktion und keinen Zeitverlauf. Es ist eine Betrachtung des Inneren – eine Interiorisierung der Ansicht. Die Kamera liefert keine objektive Sicht, sie ist eine weitere Vervielfältigung. Die Tonspur dient zur Verstärkung dieser Vervielfältigung und lässt sie unwirklich erscheinen: Eine Kakophonie aus Tönen, archivierten Vorträgen oder Geräuschfragmenten, die durch das Gebäude und seine Bewohner erzeugt werden. Es ist eine visuelle und tonale Dekonstruktion und Fragmentierung logischer Gedankenstränge, die sich auf eine Vielzahl möglicher Räume und Labyrinthe des Geistes beziehen.

Anna Konik, 1974, Lives and works in Berlin, in Warsaw and in Dobrodzien (www.annakonik.art.pl)

Anna Konik creates video installations, and her technique combines video semidocumentary,installation, performance, and sculpture. The realm in which Konik operates is very hard to verbalize. The material of her work is that which is invisible yet still perceptibledesires, emotions, indefinable intuitions; an inner world accessible through dreams, the poetic imagination and mental introspection; inner pain and one's silent grappling with it. Her protagonists are people existing on the fringes of reality, inconspicuous and sometimes wholly transparent. Konik directs viewers' attention to those aspects and spheres of existence that they are unwilling to acknowledge: loneliness, confusion, disease, oversensitivity...In terms of form, space plays an important role in Konik's works and it is consciously constructed to organically coexist with video projections. Time and simultaneity of the projection create yet another important element in video work of this artist.

(Text by Sabina Sokolowska, published in "New Phenomena in Polish Art after 2000", eds. Grzegorz Borkowski, Adam Mazur and Monika Branicka (Warsaw: Centre for Contemporary Art, Ujazdowski Castle, 2007)




23. März, 20 Uhr
Welttag der Poesie 2010
Eine Gemeinschaftsveranstaltung der Stiftung Brandenburger Tor, der Literaturwerkstatt Berlin mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD, der Deutschen UNESCO-Kommission, dem Heinrich-Böll-Haus Langenbroich e.V. und der Königlich Dänischen Botschaft.

Unter Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission.

Es lesen:

Ulrikka S. Gernes (Dänemark), Nora Iuga (Rumänien), Bei Ling (China/USA), Albert Ostermaier (München), Serhij Zhadan (Ukraine)

Moderation: Barbara Wahlster, Literaturredakteurin, Berlin

Ulrikka Gernes, welterfahrene Poetin aus Dänemark, endlich auf Deutsch erschienen, Nora Iuga, die grande dame der rumänischen Dichtung, Bei Ling, der Lyriker, der die chinesischen Zensoren dauerbeschäftigt, Albert Ostermaier, Dichter, Dramatiker und zudem Torwart der deutschen Autorennationalmannschaft, Serhij Zhadan, der ukrainische Rimbaud (NZZ) mit anarchischer Tendenz feiern den Welttag der Poesie mit einem Konzert aus Versen, Sprachen und Stimmen, zu dem die Literaturwerkstatt Berlin und ihre Partner herzlich einladen - eine Gelegenheit für eine Schau der Poesie, gelesen in den Originalsprachen und in deutscher Übersetzung an symbolkräftigem Ort.

Der UNESCO Welttag der Poesie soll an den Stellenwert der Poesie, an die Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen erinnern. Die UNESCO weist der Dichtkunst auch im Zeitalter der neuen Informationstechnologien einen zentralen Platz im kulturellen und gesellschaftlichen Leben zu.

Exklusiv für lyrikline.org und für den Welttag der Poesie schreiben Dichter Texte zu ihrem poetologischen Selbstverständnis. Gemeinsam mit Gedichten zum Thema Poesie präsentiert lyrikline.org sie vom 19.3. - 9.4.2010 auf der Internetseite.



Die Veranstaltungen finden im Max Liebermann Haus statt.

Bitte melden Sie sich bei Interesse unter Angabe des Veranstaltungstitels und Datums an.
Tel.: 22 63 30 30/17
info@stiftungbrandenburgertor.de

Weitere Torgespräche
("Sonden in die Zukunft") finden Sie im Bereich Wissenschaft.

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The Villa of the Entranced, Zachenta National Gallery of Art, Warsaw












The Villa of the Entranced, video stills