27. Januar 2010, 20 Uhr
"Der Betrachter ist im Bild"? Zugänge zu Géricaults "Floß der Medusa"
Vortrag im Rahmen der Arnheim Professur

Mit Prof. Dr. Nicos Hadjinicolaou

In dem Vortrag wird die Effektivität der Anwendung einer rezeptionsästhetischen Fragestellung auf ein bekanntes Werk des frühen 19ten Jahrhunderts erwogen.

Der erste Teil des Titels, in Anführungsstrichen, verweist auf das ebenfalls bekannte Buch, das 1985 bei Dumont von Wolfgang Kemp herausgegeben wurde.

Ist die Berücksichtigung des Betrachters für Kunstwissenschaft und Kunst-, ja Bildgeschichte von Interesse? Und wenn ja, in welchem Sinne?

Prof. Dr. Nicos Hadjinicolaou unterrichtete als Gastprofessor an der University of California Los Angeles (UCLA), der Universidad Nacional Autonoma de Mexico (UNAM), der Universität Hamburg, der University of New York at Birmingham, der Universität von Buenos Aires und der Universität von Zypern. Von 1985 bis 2005 war er Professor an der Universität von Kreta.

Hadjinicolaou war der Organisator zahlreicher internationaler Kongresse und Ausstellungen auf Kreta und in Athen, die sich dem Werk El Grecos widmeten (1990, 1995, 1999, 2005, 2007), aber auch anderen Themen (Alexander der Große in der Europäischen Kunst, Thessaloniki 1997, Der Tod Che Guevaras, Rethymno und Thessaloniki, 2002). Er ist Mitbegründer mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften (Histoire et Critique des Arts, Paris, 1977, Society of Greek Art Historians, 2003).


Mittwoch, 14. Juli 2010 um 19:30 Uhr
Vortrag im Rahmen der Rudolf-Arnheim-Professur in Verbindung mit der Humboldt-Universität zu Berlin

„Translated! Towards Another Cosmopolitan Ethics in German-Turkish Relations“
Übersetzt! Zu einer neuen kosmopolitischen Ethik in deutsch-türkischen Beziehungen

Ein Vortrag von Prof. Dr. Esra Akcan in englischer Sprache

In einer globalisierten Gesellschaft, in der die Anerkennung tradierter interkultureller Beziehungen uns ermutigt, die Normen der Moderne zu überdenken, ist es umso wichtiger, Theorien zu entwickeln, die sowohl die Spannungen als auch das Potenzial von miteinander verflochtenen Schicksalen wirksam analysieren. Der Vortrag wird eine Übersetzungstheorie vorstellen, die ein solches Bestreben umsetzen kann – eher als die verschwommenen Konzepte von Mischformen und Kulturwandel, oder die passiven Metaphern von Import und Transfer. Der Fokus wird auf der Geschichte des Austausches liegen, der die Wohnkultur in Deutschland und die in der Türkei im 20. Jahrhundert formte. Um eine Taxonomie verschiedener Erfahrungen des jeweils „Anderen“ an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit zu entwickeln, werden die architektonischen Arbeiten eines türkischen Reisenden in Berlin (Sedad Eldem), eines deutschen Immigranten in Istanbul (Bruno Taut) und eines „internationalen Architekten“ von Wohnbauten türkischer Immigranten in Berlin (Alvaro Siza) gegenübergestellt. Gerade durch die Übersetzung öffnet sich ein Land dem, was bisher fremd war, modifiziert und bereichert seine politischen Institutionen und kulturellen Formen, während es gleichzeitig seine lokalen Normen mit denen der anderen verhandelt. Historisch gesehen sind Übersetzungsmethoden nicht von der geographischen Verteilung von Macht zu trennen und können kaum als neutraler und fairer Austausch betrachtet werden. Daher wird Übersetzung als eine umstrittene Kontaktzone für den kulturellen Dialog definiert, in der geopolitische Spannungen freigelegt, beigelegt oder gegenübergestellt werden – eine Zone, in der sich die Möglichkeit einer neuen kosmopolitischen Ethik herausbildet oder weiter verschließen wird.
(Esra Akcan)

Prof. Dr. Esra Akcan ist Assistant Professor an der Universität von Illinois und im Sommersemester 2010 Arnheim-Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihren Abschluss in Architektur erlangte sie an der Middle East Technical University in Ankara, ihre Promotion schrieb Akcan an der Columbia University in New York. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Forschungsstipendien, u.a. von der Graham Foundation, der Mellon Foundation, von Carter Manny, dem DAAD und KRESS / ARIT. Akcan hat zahlreiche Fachartikel in englischen und türkischen Periodika veröffentlicht. Sie ist Gast-Herausgeberin einer Sonderausgabe von Domus zum Thema Globalisierung und von Centropa zum Thema deutsch-türkische Beziehungen. Momentan schreibt Akcan als Mitautorin an einem Buch über moderne türkische Architektur und beendet ihr drittes Buch Modernity in Translation – Thema auch hier: deutsch-türkische Beziehungen in der Wohnkultur.



14. – 16 Juni 2010
Sammler, Mäzene und Kunsthändler als Wegbereiter der Moderne in Berlin 1880 – 1933
Eine gemeinsame Veranstaltung des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien, des Kollegiums Jüdische Studien an der Humboldt-Universität und der Stiftung Brandenburger Tor.

Die Konferenz stellt das Leben und Werk insbesondere der deutsch-jüdischen Kunstsammler und Kunsthändler Berlins in den Vordergrund. Dabei soll die Leistung dieser meist nur in Fachkreisen bekannten Förderer und Wegbereiter der Moderne herausgearbeitet und die enge Verknüpfung zwischen Künstlern, Händlern und Sammlern (wieder) sichtbar gemacht werden. Denn vor dem Hintergrund heutiger Kunstmarktpreise gerät oft in Vergessenheit, dass die Moderne ihre Popularität in erster Linie der Förderung einiger weniger Sammler verdankt.

14. Juni

14 – 18 Uhr
Vorträge von Dr. Monika Tatzkow, Dr. Christian Kennert

19 Uhr
Abendvortrag Prof. Dr. Julius Schoeps

15. Juni

9:30 Uhr – 18 Uhr
Vorträge von Dr. Anna-Dorothea Ludewig, Dr. Michael Dorrmann, Dr. Andreas Strobl, Prof. Dr. Bogomila Welsh-Ovcharov, Dr. Sebastian Panwitz, Michael Jurk, Dr. Ines Sonder

16. Juni

9:30 Uhr – ca. 13 Uhr
Prof. Dr. Jost Hermand, Christina Feilchenfeld

Das komplette Programm finden Sie hier.

Um Anmeldung bis 1. Juni 2010 wird gebeten:

Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien
Anna-Carolin Augustin
Am Neuen Markt 8
14467 Potsdam
Telefon +49 331 28094-0
Fax +49 331 28094-50
aaugusti@uni-potsdam.de



28. April, 19:30 Uhr
Künstlergespräch im Rahmen der Rudolf-Arnheim Gastprofessur
Mit freundlicher Unterstützung des Berliner Künstlerprogramms, des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin und des Wissenschaftskollegs zu Berllin

Anna Konik, Gastprofessorin im SS 2009 im Gespräch mit Ariane Beyn, Leiterin der Sparte Bildende Kunst des DAAD

Von diesem Abend an bis zum 21. Mai wird die Arbeit „The Villa of the Entranced“ (2009/2010) zu sehen sein, die während des Aufenthaltes von Anna Konik als Fellow im Wissenschaftskolleg zu Berlin 2008/2009 entstand.

Max Liebermann Haus, Pariser Platz, Berlin-Mitte
Mo – Fr 10 – 18Uhr, Eintritt frei

Die Villa des Wissenschaftskollegs zu Berlin im Bezirk Grunewald – einem großbürgerlichen Viertel, in dem vor dem Zweiten Weltkrieg viele jüdische Familien wohnten – ist heute ein Ort, an dem herausragende Wissenschaftler aus der ganzen Welt für ein Jahr zurückgezogen nachdenken können. Diesen Ort mit seinen illustren Bewohnern untersucht Anna Konik in ihrer Arbeit The Villa of the Entranced als eine Pforte zu einer anderen Wirklichkeit. Für sie bezaubert diese Villa ähnlich wie Jorge Luis Borges‘ Bibliothek von Babel, den Besucher durch ihr Modell eines Universums aus Texten, die die Gesamtheit aller möglichen Gedanken darstellen. Bei Borges heißt es: „Sämtliche Bücher, wie verschieden sie auch sein mögen, [bestehen] aus den gleichen Elementen: dem Raum, dem Punkt, dem Komma, den zweiundzwanzig Lettern des Alphabets. ... In der ungeheuer weiträumigen Bibliothek gibt es nicht zwei identische Bücher.“

Diese neueste Video-Installation von Anna Konik knüpft an frühere Projekte an – Transparency (2002/2004), In the Middle of the Way (2001-2007 work in progress), oder Our Lady`s Forever (2007) handelten von Einzelschicksalen und all dem was mit einem flüchtigen Blick nicht wahrnehmbar ist. Im Unterschied zu früheren Arbeiten bezieht sich das Projekt The Villa of the Entranced nicht auf bestimmte menschliche Schicksale, sondern konzentriert sich auf die Emotionalität eines Ortes.

The Villa of the Entranced besteht aus mehreren Simultanprojektionen. Der Raum und die Fortbewegung des Betrachters darin sind die Elemente, nach der sich die Wahl des Standortes der Projektionen ausrichtet. Die Bewegung verbindet sie miteinander und der so erschlossene Raum bezieht sich auf die architektonische Form des Gebäudes der Villa, wie es bereits bei der ersten Präsentation des Projektes in der Nationalgalerie Zachęta in Warschau (2009) zu sehen war. Indem der Betrachter durch eine Tür in die Projektion der Fassade eintritt, überschreitet er eine imaginäre Grenze zwischen der äußeren realen und der inneren illusionistischen Welt. Der Betrachter taucht ein in eine Reihe assoziativer, vervielfältigter Reflexionen und Spiegelungen des Hauses und seiner Elemente. Die Projektionen haben keine lineare Konstruktion und keinen Zeitverlauf. Es ist eine Betrachtung des Inneren – eine Interiorisierung der Ansicht. Die Kamera liefert keine objektive Sicht, sie ist eine weitere Vervielfältigung. Die Tonspur dient zur Verstärkung dieser Vervielfältigung und lässt sie unwirklich erscheinen: Eine Kakophonie aus Tönen, archivierten Vorträgen oder Geräuschfragmenten, die durch das Gebäude und seine Bewohner erzeugt werden. Es ist eine visuelle und tonale Dekonstruktion und Fragmentierung logischer Gedankenstränge, die sich auf eine Vielzahl möglicher Räume und Labyrinthe des Geistes beziehen.

Anna Konik, 1974, Lives and works in Berlin, in Warsaw and in Dobrodzien (www.annakonik.art.pl)

Anna Konik creates video installations, and her technique combines video semidocumentary,installation, performance, and sculpture. The realm in which Konik operates is very hard to verbalize. The material of her work is that which is invisible yet still perceptibledesires, emotions, indefinable intuitions; an inner world accessible through dreams, the poetic imagination and mental introspection; inner pain and one's silent grappling with it. Her protagonists are people existing on the fringes of reality, inconspicuous and sometimes wholly transparent. Konik directs viewers' attention to those aspects and spheres of existence that they are unwilling to acknowledge: loneliness, confusion, disease, oversensitivity...In terms of form, space plays an important role in Konik's works and it is consciously constructed to organically coexist with video projections. Time and simultaneity of the projection create yet another important element in video work of this artist.

(Text by Sabina Sokolowska, published in "New Phenomena in Polish Art after 2000", eds. Grzegorz Borkowski, Adam Mazur and Monika Branicka (Warsaw: Centre for Contemporary Art, Ujazdowski Castle, 2007)




23. März, 20 Uhr
Welttag der Poesie 2010
Eine Gemeinschaftsveranstaltung der Stiftung Brandenburger Tor, der Literaturwerkstatt Berlin mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD, der Deutschen UNESCO-Kommission, dem Heinrich-Böll-Haus Langenbroich e.V. und der Königlich Dänischen Botschaft.

Unter Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission.

Es lesen:

Ulrikka S. Gernes (Dänemark), Nora Iuga (Rumänien), Bei Ling (China/USA), Albert Ostermaier (München), Serhij Zhadan (Ukraine)

Moderation: Barbara Wahlster, Literaturredakteurin, Berlin

Ulrikka Gernes, welterfahrene Poetin aus Dänemark, endlich auf Deutsch erschienen, Nora Iuga, die grande dame der rumänischen Dichtung, Bei Ling, der Lyriker, der die chinesischen Zensoren dauerbeschäftigt, Albert Ostermaier, Dichter, Dramatiker und zudem Torwart der deutschen Autorennationalmannschaft, Serhij Zhadan, der ukrainische Rimbaud (NZZ) mit anarchischer Tendenz feiern den Welttag der Poesie mit einem Konzert aus Versen, Sprachen und Stimmen, zu dem die Literaturwerkstatt Berlin und ihre Partner herzlich einladen - eine Gelegenheit für eine Schau der Poesie, gelesen in den Originalsprachen und in deutscher Übersetzung an symbolkräftigem Ort.

Der UNESCO Welttag der Poesie soll an den Stellenwert der Poesie, an die Vielfalt des Kulturguts Sprache und an die Bedeutung mündlicher Traditionen erinnern. Die UNESCO weist der Dichtkunst auch im Zeitalter der neuen Informationstechnologien einen zentralen Platz im kulturellen und gesellschaftlichen Leben zu.

Exklusiv für lyrikline.org und für den Welttag der Poesie schreiben Dichter Texte zu ihrem poetologischen Selbstverständnis. Gemeinsam mit Gedichten zum Thema Poesie präsentiert lyrikline.org sie vom 19.3. - 9.4.2010 auf der Internetseite.




Im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals

Montag, 20.9., 20 Uhr
FOKUS OSTEUROPA
Nicoleta Esinencu, die junge Stimme Moldaus liest aus »Odessa Transfer«

MODERATION: Katharina Raabe SPRECHERIN: Naomi Krauss

Die moldauische Autorin Nicoleta Esinencu wurde international bekannt durch »Fuck you, Eu.ro.Pa«, ein Theaterstück über die Identitätskrise des jungen Moldaus zwischen Postkommunismus, Ausgrenzung durch Rumänien, Russenhass und Frauenfeindlichkeit. In ihrer Lesung stellt sie ihren Text aus »Odessa Transfer« vor, einem Sammelband über die Schwarzmeerregion.

Eintritt frei

Freitag, 24.9., 20 Uhr
SPECIALS

Scritture Giovani
mit Dora Albanese (Italien), Catrin Dafydd (Großbritannien), Stefania Mihalache (Rumänien) und Clemens Setz (Österreich)
MODERATION: Gernot Wolfram SPRECHERINNEN: Stella Hilb und Nina West

»Sea« ist in diesem Jahr das Thema des Projekts, das talentierte junge Autoren aus Europa präsentiert. Und damit beginnt die Reise, zu der sich die Autorinnen und Autoren aufmachen, um das Publikum der bedeutendsten europäischen Literaturfestivals – neben festivaletteratura Mantova sind dies The Guardian Hay Festival und das internationale literaturfestival berlin – durch ihre jeweilige Art des Schreibens »aufzuwecken«. Moderiert wird die Veranstaltung von Gernot Wolfram, der 2004 selbst teil des »Scritture Giovani«-Programms war.

Dora Albanese (Italien), geboren 1985 in Matera, veröffentlichte zahlreiche Erzählungen und Artikel in Zeitungen, Zeitschriften sowie im Internet. Ihr erster Erzählband »Non dire madre« erschien 2009.
Catrin Dafydd (Großbritannien) schreibt in englischer und walisischer Sprache. Ihre ersten beiden Romane waren für die Preise Wales Book of the Year 2006 und Books to talk about 2009 nominiert.
Stefania Mihalache (Rumänien), geboren 1978 in Braşov, verfasst Gedichte, Essays, Rezensionen und Drehbücher. 2004 erschien mit »Est-falia« ihr erster Roman, dem mit »Die Gedichte der Sekretärin« bald ein zweiter folgt.
Clemens Setz (Österreich), geboren 1982 in Graz, hat mit »Söhne und Planeten« und »Die Frequenzen« schon zwei Romane veröffentlicht, von denen der letztgenannte mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet wurde.

Eintritt frei


Freitag, 8. Oktober 2010, 10 - 18 Uhr
Tagung: Das Landhaus - Zur Kulturgeschichte einer vornehmen Bauaufgabe

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Stiftung Brandenburger Tor und dem Institut für Kunst- und Bildgeschichte (Humboldt-Universität Berlin)
Ort: Liebermann-Haus, Am Pariser Platz 7
Teilnahme: 15€ / 10 € erm, Anmeldung erforderlich
Barbara Stursberg, Liebermann-Villa am Wannsee, Tel.: 030-805 85 90 15
Oder Online-Ticket unter: www.liebermann-villa.de




Donnerstag/Freitag 14. und 15. Oktober
Erstes internationales Symposium
DER STURM -
Avantgarde der Kunst in Berlin

Internationales Symposium zur Geschichte und Wirkung
der von Herwarth Walden gegründeten und geleiteten
Zeitschrift und Galerie "Der Sturm" (1910-1932)
Eine Veranstaltung der Herwarth Walden Gesellschaft in Kooperation mit der Stiftung Brandenburger Tor

Teilnahmegebühr
2 Tage 30,- EUR pro Teilnehmer / Ermäßigt: 20,- EUR
1 Tag 15,- EUR pro Teilnehmer / Ermäßigt: 10,- EUR

Einladungs-Flyer (PDF) zum Symposium

Anmeldeformular (PDF) zum Symposium

Weitere Informationen unter: www.der-sturm.org


Dienstag, 19.10., 20 Uhr
Unter zweierlei Sternen – Liebe, Migration und Recht
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Literaturwerkstatt Berlin

In Lesung und Gespräch: Michael Roes (Autor, Berlin), Emine Sevgi Özdamar (Autorin, Berlin), Jutta Limbach (Präsidentin des Bundesverfassungsgericht a. D., Berlin), Christoph von Planta (Anwaltskanzlei vpmk Rechtsanwälte) Moderation: Barbara Wahlster (Redaktionsleitung Literatur, Deutschlandradio Kultur, Berlin)

Der soeben erschienene neue Roman von Michael Roes »Geschichte der Freundschaft« (Matthes&Seitz 2010) beschreibt eine Beziehung, die in zwei Kulturen zuhause ist, die sich aber zwischen den Kulturen konfliktgeladen reibt. Die Geschichte einer Freundschaft zwischen dem Algerier Jannis und dem Deutschen Matthias ist »ein unglaublich bitteres und wahres Buch darüber, wie Menschen mit allen Kräften versuchen, kulturelle Schranken zu überwinden. Und es doch nicht können …« (Dina Netz, WDR).

Anders Emine Sevgi Özdamar: In ihrer Romantrilogie »Sonne auf halbem Weg« (Kiepenheuer&Witsch 2006), in der die Autorin elf Jahre eigener Identitätsarbeit zwischen Istanbul und Berlin manifestiert, scheint ein Migrationsprozess in die deutsche Gesellschaft hinein gelungen. Doch richtig heimisch wird die Heldin bei Özdamar nirgendwo; weder in Ost-Berlin, wo sie an der Volksbühne arbeitet, noch in West-Berlin, wo sie in einer WG wohnt, die gelegentlich von der Polizei nach Terroristen der RAF durchsucht wird. Die Handelnden, und das ist beiden Romanen eigen, bleiben Vertraute und Fremde in einer Gesellschaft, die ihnen genau so erscheint: vertraut und fremd.

Entscheidende Fragen sind gestellt: Die politische Bundesrepublik Deutschland verstand sich bis vor kurzem nicht als Einwanderungsland.

Zu den zwischenmenschlichen Schwierigkeiten im Umgang mit kulturellen Unterschieden kommen bürokratische. Den Fragen nach der Umsetzung menschlicher migrationspolitischer Regelungen und deren Handhabe, die die Literatur erneut gestellt hat, antworten Jutta Limbach, Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts a. D. und Präsidentin des Goethe-Instituts a. D., sowie Christoph von Planta von der Anwaltskanzlei vpmk Rechtsanwälte, dessen Schwerpunkt das Migrations- und Migrantenrecht ist.

Michael Roes (*1960 Rhede / Westfalen) studierte Psychologie, Philosophie und Germanisitik. Er schreibt Romane, Gedichte und Theaterstücke, neben seinem literarischen Schaffen ist er auch Filmemacher. Eines der Hauptthemen seines Werkes ist die interkulturelle Begegnung. Er wurde u. a. mit dem Else-Lasker-Schüler-Preis sowie dem Alice-Salomon-Poetik-Preis ausgezeichnet.

Emine Sevgi Özdamar (*1946 Malatya / Türkei) ist Schauspielerin, Theaterregisseurin und Schriftstellerin. In ihren Werken öffnete sie zwischen den Betroffenheitstexten der Gastarbeiterliteratur und der Abgeklärtheit der dritten Generation einen neuen Weg, wodurch sie zum Vorbild für zahlreiche deutsch-türkische Autoren wurde. Sie wurde u. a. mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis und dem Kleist-Preis ausgezeichnet und ist Trägerin der Carl-Zuckmayer-Medaille.

Die SPD-Politikerin und Rechtswissenschaftlerin Jutta Limbach (*1934 Berlin) war von 1994–2002 Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und von 2002–2008 Präsidentin des Goethe-Instituts. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und war Vorsitzende des Deutschen Sprachrats.

Der Rechtsanwalt Christoph von Planta ist Gründungsmitglied der Anwaltskanzlei vpmk Rechtsanwälte und Mitglied der ARGE Ausländer- und Asylrecht des Deutschen Anwaltsvereins sowie Mitglied im Berliner Arbeitskreis Ausländerrecht des RAV.
Eintritt frei – um Anmeldung wird gebeten bis 11.10.2010 unter Tel: 030. 22 63 30 30



Montag, 29. November 2010, 19.30 Uhr
im Max Liebermann Haus, Berlin-Mitte, Pariser Platz 7

Eine gemeinsame Veranstaltung der Stiftung Brandenburger Tor und des Wienand Verlags, Köln

Karl Schmidt-Rottluff
Zeichnungen auf Postkarten

Buchvorstellung und Gespräch mit Gerhard Wietek

Einführung: Anke Daemgen
Im Gespräch mit dem Autor: Jürgen Fitschen

Prof. Dr. Gerhard Wietek, geboren 1923, beschäftigt sich schon seit über 50 Jahren mit dem Werk Karl Schmidt-Rottluffs, beginnend mit seiner Zeit als Kustos des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg und als Kurator für den Oldenburger Kunstverein in den 1950er Jahren. 1956 begegnete er dem Künstler erstmals, 1957 kuratierte er die bahnbrechende Ausstellung Maler der Brücke in Dangast von 1907 bis 1912. Als Direktor des Altonaer Museums baute er die dortige Sammlung gemalter Künstlerpostkarten auf, deren Heranziehung als vorher nicht wahrgenommener Gegenstand kunsthistorischer Forschung und Präsentation vor allem ihm zu verdanken ist. 1978 wurde er zum Landes-Museumsdirektor von Schleswig-Holstein berufen und baute auf Schloss Gottorf u. a. eine Sammlung zur Kunst des 20. Jahrhunderts auf. Seine zahlreichen grundlegenden Publikationen über Schmidt-Rottluff weisen Gerhard Wietek als einen führenden Experten zu Leben und Werk des expressionistischen Künstlers aus.

Dr. Jürgen Fitschen, Direktor des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte Schloß Gottorf

Dr. Anke Daemgen Kunsthistorikerin und Kuratorin der bevorstehenden Ausstellung zur Neuen Secession

Die Stiftung Brandenburger Tor wird vom 1. April bis 3. Juli 2011 die Ausstellung Liebermanns Gegner. Neue Secession und Expressionismus in Berlin im Max Liebermann Haus zeigen. Abschließend wird die Ausstellung im Museum Schloß Gottorf zu sehen sein.




The Villa of the Entranced, Zachenta National Gallery of Art, Warsaw












The Villa of the Entranced, video stills




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