Mittwoch, 10. Januar, 19:30 Uhr
Gerhard Richter im Bild – Selbstportraits, Selbstdarstellungen und Selbstinszenierungen
Ein Vortrag mit Hubertus Butin, Kunsthistoriker
Der Vortrag stellt die wenigen Fotoarbeiten und Ölgemälde von Gerhard Richter vor, in denen er selbst als Person erscheint. Einige dieser Selbstportraits, Selbstdarstellungen und Selbstinszenierungen waren der Forschung bisher völlig unbekannt. In den bemerkenswerten, mitunter skurrilen Bildern manifestiert sich auf besondere Weise Richters künstlerisches Selbstverständnis sowie ein deutlich poststrukturalistischer Subjektbegriff. Außerdem lassen sich an den Arbeiten anschaulich die Geschichte der Portraittradition als auch die Bedingungen und Möglichkeiten heutiger Portraitproduktion diskutieren.
Vortragsdauer: circa 50 Minuten
Hubertus Butin, geb. 1964, Studium der Kunstgeschichte in Bonn und Zürich, 1996-1998 kunsthistorischer Assistent Gerhard Richters, 1999-2000 Tätigkeit als Lektor für den DuMont Literatur und Kunst Verlag in Köln, 2002 Herausgabe von "DuMonts Begriffslexikon zur zeitgenössischen Kunst", 2002-2004 Gastkurator am Kunstmuseum Bonn, 2004 Herausgabe des Werkverzeichnisses der Editionen Gerhard Richters, 2006 Autorentätigkeit für das Stedelijk Museum in Amsterdam, seit 1991 zahlreiche Publikationen zur zeitgenössischen Kunst.
Montag, 19. Februar, 20:00 Uhr
"Wechselstrom – Kunstvermittlung im Spannungsfeld zwischen
Gegenwartskunst und Kunstgeschichte"
Ein Vortrag mit Bice Curiger im Rahmen der Rudolf-Arnheim-Professur im Max Liebermann Haus Berlin-Mitte, Pariser Platz 7, in Verbindung mit der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst.
Bice Curiger plädiert für eine partnerschaftliche Beziehung zu den Künstlerinnen und Künstlern. Dies im Gegensatz zu einer herrschenden Meinung, die besagt, dass „objektive“ Auseinandersetzung mit der Kunst und deren Vermittlung einzig aus persönlicher oder zeitlicher Distanz zu leisten sei. Am Beispiel der künstlernahen Publikation "PARKETT" sowie des neuen Konzepts der Museumszeitschrift „Tate etc.“ wird dargelegt, wie die Kunst als zeitgenössischer Impulsgeber ernst genommen wird und in welcher Weise sie als Inspiration hinter den publizistischen Projekten steht. Die Referentin wird auch einige Ausstellungsprojekte vorstellen, deren unkanonischer Blick auf die neuere Kunstgeschichte einem in der Gegenwartskunst verankerten Denken entspringt.
Die Arnheim-Professur geht auf den Filmkritiker und Filmhistoriker Rudolf Arnheim zurück. Prof. Arnheim ist Mitbegründer der Gestaltpsychologie und entwickelte die Theorie des „denkenden Sehens“ und Gestaltens als Überlebensstrategie. Die Professur wurde zum Wintersemester 2001/2002 an der Humboldt-Universität eingerichtet. Eine hochrangige interdisziplinäre Jury beruft jährlich einen ausländischen Gastdozenten. Gefördert wird diese Professur durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Stiftung Brandenburger Tor.
Bice Curiger, Mitbegründerin und seither Chefredakteurin der Kunstzeitschrift PARKETT. Seit 1993 Kuratorin am Kunsthaus Zürich mit zahlreichen Ausstellungen. Seit 2004 Editorial Director des Magazins der Tate Gallery in London, "Tate etc". Mit dem Titel „Kunst expansiv – zwischen Gegenkultur und Museum“ erschien 2002 bei Lindinger + Schmid eine Auswahl ihrer Schriften. Bice Curiger besetzt im Wintersemester 2006/2007 die Rudolf Arnheim-Gastprofessur am Kunstgeschichtlichen Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin.Dienstag, 27. Februar, 19:30
"Jahre der Politik – Erinnerungen“
Präsentation des neuen Buches im Siedler Verlag von Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog.
Moderation: Theo Sommer, Die ZEIT
Die Erinnerungen des ehemaligen Bundespräsidenten zeichnen eine ebenso ungewöhnliche wie beeindruckende Laufbahn nach, die den 1934 in Landshut geborenen Roman Herzog von einer glänzenden Hochschulkarriere als Staatsrechtler über Stationen in Bonn und Baden-Württemberg bis ins höchste Staatsamt führte.
Als Präsident des Bundesverfassungsgerichts begleitete und prägte er in der ersten Hälfte der neunziger Jahre die deutsche Politik mit bedeutsamen und wegweisenden Urteilen. Im Mai 1994 wurde Herzog als Nachfolger Richard von Weizsäckers zum Bundespräsidenten gewählt. Zu seinen bis heute unvergessenen Amtshandlungen zählt die Einführung des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und jene berühmte »Ruck«-Rede, mit der er ein Aufbrechen der verkrusteten Strukturen in der Bundesrepublik anmahnte.
Roman Herzog, der in seiner Person Weltoffenheit und nüchterne Analyse mit dem Sinn fürs Machbare verbindet, verdankt das Land wesentliche politische Anregungen und intellektuelle Anstöße. Die Bilanz seiner politischen Jahre zeigt eine Persönlichkeit, der alle Aufgeregtheit und jedes nationale Pathos fremd sind und die bei aller bodenständigen Gelassenheit ein hintergründiger Humor und zugleich die Fähigkeit zu scharfer Kritik auszeichnet.
Roman Herzog, Jahrgang 1934, ist Jurist und Politiker. Von 1966 bis 1969 lehrte er als Professor an der FU Berlin, danach an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer; von 1978 bis 1980 war er Kultusminister und von 1980 bis 1983 Innenminister in Baden-Württemberg. 1983 wurde er Vizepräsident und 1987 Präsident des Bundesverfassungsgerichts, von 1994 bis 1999 bekleidete er das Amt des Bundespräsidenten. Herzog veröffentlichte zahlreiche staatsrechtliche, politische und historische Bücher, u.a. »Vision Europa. Antworten auf globale Herausforderungen« (1996) und »Wider den Kampf der Kulturen. Eine Friedensstrategie für das 21. Jahrhundert« (2000).
Roman Herzog ist seit Gründung der Stiftung Brandenburger Tor Vorsitzender ihres Kuratoriums. Die Stiftung feiert im Jahr 2007 ihr zehnjähriges Bestehen.
Freitag, 2. März, 19:30 Uhr
"Das große Theater"
Die deutschen Bühnen – zwischen Skandal, Sinnsuche und Erneuerung
Ein Gespräch mit dem Schauspielkünstler Gert Voss und dem Kulturautor Peter von Becker über Gegenwart und Zukunft des Theaters.
Die deutschsprachige Schauspielszene ist die reichste der Welt. Noch immer. Aber das Theater ist in seinem Selbstverständnis erschüttert. Für manche Kritiker und viele Zuschauer irrlichtert es zwischen postmoderner Performance und dem Verlust von Geschichte und Geschichten; so taumelt und tanzt die Szene zwischen Skandalisierung und Musealität.
Gert Voss ist heute der wohl bedeutendste Schauspieler des europäischen Theaters. Zur Zeit bereitet er zur Eröffnung der Wiener Festwochen 2007 mit dem Regisseur Luc Bondy die Titelrolle in Shakespeares "König Lear" vor. Gert Voss war Protagonist des Peymann-Ensembles in Stuttgart, Bochum und Wien, er spielte an der Berliner Schaubühne und am BE und ist Mitglied des Wiener Burgtheaters. Zahlreiche Hauptrollen bei Regisseuren wie Peter Zadek, George Tabori, Claus Peymann, Luc Bondy, Andrea Breth und Peter Stein. Voss wirkte in mehreren internationalen Kino- und Fernsehfilmen mit.
Peter von Becker ist Schriftsteller, Kulturautor beim "Tagesspiegel" und langjähriger Feuilletonchef und Theaterkritiker. Bei 3sat/ZDF lief zuletzt sein sechsteiliger Fernsehfilm "Das Jahrhundert des Theaters".
Mittwoch, 21. März, 20 Uhr
Poetische Zone – Welttag der Poesie 2007
Mit: Christiana Avraamidou, Zypern, Elfriede Czurda, Wien/Berlin, Arjen Duinker, Niederlande, Christopher Edgar, USA, Bálint Harcos, Ungarn, Istvan Vörös, Ungarn
Moderation: Knut Elstermann, Journalist, Berlin
Gedichte sind Texte, die gehört werden wollen. Sie leben nicht allein auf dem Papier, in der Datei oder im Kopf des Lesers, sondern gleichermaßen in der Stimme des Autors, im Ohr des Hörers. Deshalb bekräftigt der Welttag der Poesie der UNESCO – im Jahr 2000 ins Leben gerufen – nicht allein den Stellenwert der Poesie und die Vielfalt des Kulturgutes Sprache, sondern ebenso die Bedeutung mündlicher Traditionen. Jährlich zum Welttag der Poesie versammelt die Literaturwerkstatt Berlin gemeinsam mit ihren Partnern Lyriker aus aller Welt. 2007 kommen sie aus sechs Ländern – Gelegenheit für eine Weltschau der Poesie.
Eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Stiftung Brandenburger Tor mit der Akademie Schloss Solitude, dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD, der Botschaft der Republik Zypern, der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika, der Deutschen UNESCO-Kommission e.V., dem Kulturforum der Österreichischen Botschaft und dem Nederlands Literair Productie- en Vertalingenfonds, Amsterdam
Unter Schirmherrschaft der Deutschen UNESCO-Kommission e.V.
Freitag, 23. März, 20:30 Uhr
Das große Theater (2) Die deutschen Bühnen – zwischen Skandal, Sinnsuche und Erneuerung
Ein Gespräch mit dem Intendanten Ulrich Khuon und dem Kulturautor Peter von Becker über Gegenwart und Zukunft des Theaters.
Nach dem Schauspieler Gert Voss ist der desiginierte Intendant des Deutschen Theaters Ulrich Khuon Gast im Max Liebermann Haus. Die deutschsprachige Schauspielszene ist die reichste der Welt. Noch immer. Aber das Theater ist in seinem Selbstverständnis erschüttert. Für manche Kritiker und viele Zuschauer irrlichtert es zwischen postmoderner Performance und dem Verlust von Geschichte und Geschichten; so taumelt und tanzt die Szene zwischen Skandalisierung und Musealität.
Ulrich Khuon ist der zur Zeit erfolgreichste deutsche Schauspielintendant. Soeben wurde sein Hamburger Thalia Theater mit gleich drei Inszenierungen zum diesjährigen Berliner Theaterreffen eingeladen. Khuon, gebürtiger Stuttgarter, kam über die Theaterkritik zum Theater, war zuerst Dramaturg, dann Intendant in Konstanz und Hannover. Als Nachfolger von Jürgen Flimm übernahm er im Jahr 2000 die Leitung des Thalia Theaters in Hamburg.
Ab 2009 wird er als Intendant des Deutschen Theaters von Hamburg nach Berlin wechseln. Seit dieser Wahl ist das heutige Tor-Gespräch Khuons erster öffentlicher Auftritt in Berlin.
Freitag, 27. April, 19:30 Uhr
Fortsetzung der Torgesprächs-Reihe "Theater Heute"
DAS GROSSE THEATER (3)
Die deutschen Bühnen - zwischen Skandal, Sinnsuche und Erneuerung
Ein Gespräch über Gegenwart und Zukunft des Theaters mit den Dramatikern Dea Loher und Moritz Rinke und dem Kulturautor Peter von Becker.
Nach dem Schauspieler Gert Voss und dem Intendanten Ulrich Khuon kommen nun die Dramatiker Dea Loher und Moritz Rinke zum Torgespräch.
Die deutschsprachige Schauspielszene ist die reichste der Welt. Noch immer. Aber das Theater ist in seinem Selbstverständnis erschüttert. Für manche Kritiker und viele Zuschauer irrlichtert es zwischen postmoderner Performance und dem Verlust von Geschichte und Geschichten; so taumelt und tanzt die Szene zwischen Skandalisierung und Musealität.
Dea Loher und Moritz Rinke, beide in Berlin lebend, gehören zu den meistgespielten jüngeren Theaterautoren in Deutschland.
Dea Loher, deren Texte seit 1992 u.a. in Hamburg, München und Wien uraufgeführt und vielfach auch im Ausland gezeigt wurden, erhielt neben anderen Auszeichnungen den Mülheimer Dramatikerpreis für ihr Stück "Adams Geist". Zuletzt wurde ihr 2006 der Bertolt-Brecht-Preis zuerkannt.
Moritz Rinkes Stücke wurden u.a. in Zürich, Hamburg, Düsseldorf und Berlin gespielt, er hat für die Wormser Festspiele eine Neufassung der "Nibelungen" geschrieben und erhielt mehrere Literatur- und Theaterpreise. 2005 wurde sein Stück "Republik Vineta" fürs Kino verfilmt.
Mittwoch, 2. Mai, 19:30 Uhr
"Die Erde als Kunstwerk. Ein wissenschaftlicher Blick aus dem All"
Ein Vortrag mit Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, Kuratoriumsmitglied der Stiftung Brandenburger Tor.
Die farbenprächtigen Satellitenaufnahmen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), einem Zentrum der Helmholtz-Gemeinschaft, lassen Kunst und Wissenschaft verschmelzen. Die Bilder zeigen Wüsten und Gletscher, Vulkane und Stadtlandschaften, aber auch die Spuren des Menschen aus ungewohnter Perspektive. Sie bieten überraschende Einsichten, die dem menschlichen Auge sonst verborgen sind und liefern der Wissenschaft unverzichtbare Messwerte, um die irdischen Kreisläufe zu verstehen. Der Vortrag veranschaulicht, wie Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen diese Informationen aus dem All nutzen können, um beispielsweise Veränderungen der Ozonschicht und der Atmosphäre zu messen oder Schadstoffe in den Weltmeeren zu registrieren. Sie werfen Fragen auf zum Klimawandel, zur Umweltforschung, aber auch zu einer sicheren und umweltfreundlichen Energieversorgung.
Jürgen Mlynek studierte Physik an der Technischen Universität Hannover und an der École Polytechnique in Paris. An der Universität Hannover promovierte er 1979 zum Dr. rer. nat. und habilitierte 1984. Nach einem Aufenthalt am IBM Forschungslabor in den USA wechselte Mlynek als Assistenz-Professor zur Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. 1990 ging er als C4-Professor für Experimentalphysik an die Universität nach Konstanz, wo er in Experimenteller Quantenoptik, Atomphysik und Oberflächenphysik forschte. Von 1996 bis 2001 war er Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, von 2000 bis 2005 Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2005 ist Jürgen Mlynek Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. Mlynek wurde mit zahlreichen wissenschaftlichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Gottfried-Wilhelm-Leibniz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Jürgen Mlynek ist seit 2002 Mitglied im Kuratorium der Stiftung Brandenburger Tor.
Konferenz Perspektive Europa
Eine Veranstaltung der Akademie der Künste in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt
Sonnabend, 2. Juni, 21 Uhr
In Zusammenarbeit mit der Stiftung Brandenburger Tor
Lesung mit Ilija Trojanow, Bulgarien ("Der Weltensammler")
Wang Hui, China ("Asien als Konstrukt der europäischen Imagination")
Gesamtprogramm der Konferenz
1. und 2. Juni
Vorträge, Lesungen Diskussionen und Konzert
Eintritt: Vorträge, Podiumsdiskussionen, Lesungen und Gespräche je Euro 7,- / ermäßigt Euro 5,-
Kartenreservierung ab 15. Mai unter www.adk.de/europa (PDF-Anmeldeformular)
Am 1. und 2. Juni findet in der Akademie der Künste, Berlin, die Konferenz Perspektive Europa statt. Auf Einladung der Akademie haben mit Mario Adorf, Assia Djebar, Carlos Fuentes, Imre Kertész, Elias Khoury, György Konrád, Wang Hui, Wole Soyinka, Andrzej Stasiuk und Ilija Trojanow zehn weltweit namhafte Persönlichkeiten ihr Kommen zugesagt. Eröffnet wird die Konferenz am Freitagabend von Akademie-Präsident Klaus Staeck und Außenminister Frank- Walter Steinmeier.
Im Anschluss an die Konferenz finden am Sonnabend, ab 21 Uhr, gleichzeitig in der Akademie und rund um den Pariser Platz, Lesungen und Gespräche mit den Autoren statt. Peter Lilienthal und Wim Wenders, Mitglieder der Akademie, werden u.a. die Abendveranstaltungen moderieren. Als Gastgeber für die Lesungen konnten die Stiftung Brandenburger Tor/Max Liebermann Haus, Dresdner Bank, Commerzbank, DZ Bank und das Hotel Adlon gewonnen werden. Mit KALAF und Hip-Hop aus Angola und Portugal geht das umfangreiche Programm in der Nacht zum Sonntag zu Ende.
Die Perspektive Europas verändert sich mit dem Abstand, den man zu Europa einnimmt. So ist die kulturelle Moderne Europas in Indien oder Afrika aufs Engste verbunden mit Fremdherrschaft, mit der Unterdrückung eigener kultureller Formen, mit Ausbeutung. Vor allem aber birgt die von Europa ausgehende Nationalisierung und Neuordnung anderer Kulturen in sich den Keim zahlloser Konflikte bis in die Gegenwart. In Europa selbst ist die Moderne ebenfalls verwoben mit einer Geschichte der menschlichen und kulturellen Katastrophen. Und doch, oder gerade deshalb, gibt es eine Perspektive Europa, die aus diesem kulturellen Gedächtnis schöpft und sich den umfassenden Veränderungen der Gegenwart stellt. Reden wir von einem offenen Europa oder einem Europa der Grenzen, das sich aus Angst vor der gemeinsamen Zukunft verschließt vor den östlichen Nachbarn, dem südlichen Mittelmeer oder gegenüber der islamischen Welt?
Die Konferenz Perspektive Europa ist der Versuch, dieses Denken so kontrovers und so komplex wie möglich aufzuzeigen und anzustoßen. Sie will, vor dem Hintergrund der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, die Binnenperspektive Europas durch die Erweiterung des Diskussions- und Blickfeldes öffnen. Dabei ist der Fokus eindeutig die Frage nach der Rolle von Kunst und Kultur in diesem vielfach verschichteten Gesamtbild. Kunst und Kultur sind immer vertreten durch individuelle künstlerische und intellektuelle Positionen, die nicht einfach einer kulturellen oder nationalen Identität zuzuordnen sind. Die Akademie der Künste dient dabei als Plattform und Denkraum für den Dialog zwischen Kunst und Politik.
Perspektive Europa ist eine Veranstaltung der Akademie der Künste in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt.
PROGRAMM PERSPEKTIVE EUROPA
Freitag, 1. Juni, 18 Uhr, Akademie der Künste
Grußworte
Klaus Staeck, Präsident Akademie der Künste
Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister des Auswärtigen
Vortrag
Imre Kertész, Die Radikalisierung der Mäßigung
Statements
Carlos Fuentes, Wole Soyinka
Sonnabend, 2. Juni, Akademie der Künste
ab 15 Uhr
Podiumsdiskussionen PERSPEKTIVE EUROPA
Ansprache
Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister des Auswärtigen
Der Blick von außen
Assia Djebar, Wang Hui, Elias Khoury, Wole Soyinka
Moderation: Sandra Maischberger, Journalistin
18 Uhr
Wer ist ein Europäer?
Mario Adorf, György Konrád, Andrzej Stasiuk, Ilija Trojanow
Moderation: Gesine Schwan, Präsidentin Europa-Universität Viadrina
21 Uhr
Forum Pariser Platz: Lesungen und Gespräche
Akademie der Künste
Assia Djebar + Elias Khoury, Fremd in Europa – Fremdes Europa
Hotel Adlon
Mario Adorf, Der Fenstersturz und andere merkwürdige Geschichten
Commerzbank
György Konrád, Europa als Agenda
Andrzej Stasiuk, Fado – Parodie als Lebensform eines Kontinents
Dresdner Bank
Carlos Fuentes, Das Andere im Eigenen
DZ Bank
Wole Soyinka, Europa in der Verantwortung
Stiftung Brandenburger Tor/ Max Liebermann Haus
Ilija Trojanow, Der Weltensammler
Wang Hui, Asien als Konstrukt der europäischen Imagination
23 Uhr
Akademie der Künste
Konzert KALAF: Hip-Hop aus Angola + Portugal
Donnerstag, 5. Juli, 20 Uhr
Prometheusbilder von José Clemente Orozco und Peter Paul Rubens.
Der Transatlantische Bilddiskurs gegen den Krieg und das Imperium
Ein Vortrag im Rahmen der Arnheim-Professur mit Prof. Dr. David Craven
Prometheus war lediglich während einiger weniger Epochen ein bedeutendes Thema der Kunstgeschichte. So vor allem im 17. Jahrhundert in Europa und im 20. Jahrhundert in Lateinamerika. Bezeichnenderweise unterstreichen diese beiden transatlantischen Hauptbewegungen, in denen Prometheus’ Unsterblichkeit thematisch behandelt und bekräftigt wurde, eine tiefere ideologische Vorstellung – so wie auch bei der Neuverwendung von pathosformelen, wie Aby Warbug sie bezeichnet hat.
In jeder dieser Kunstepochen begegnen wir einem bildkünstlerischen Programm, das mit Militarismus und den Folgen des Aufbaus von Großreichen sehr kritisch umgeht.
So war dies mit dem Prometheus von Peter Paul Rubens von 1611 und anderen Darstellungen der Barockzeit der Fall, sowie auch bei den Gemälden von José Clemente Orozsco von 1930 oder Arnoldo Belkin von 1985.
Der Vortrag wird sich mit der weitgreifenden Bedeutung dieser Darstellungen beschäftigen und ihre umfassende historische Bedeutung näher ausführen.
Prof. Dr. David Craven ist Professor für Kunstgeschichte an der University of New Mexico. Er ist Experte für „Kritische Theorie” und für die Kunst und Kultur Lateinamerikas, der USA und Europas im 19. und 20. Jahrhundert.
Als Autor hat er mehrere neben Artikeln und Kritiken Katalogaufsäzte u.a. für die Tate Gallery, das Oxford Art Journal und das Museo Antiguo Colegio San Ildefonso in Mexiko verfasst.
Torgespräche zur Literatur
Stiftung Brandenburger Tor
Max Liebermann Haus, Pariser Platz 7, Berlin-Mitte
Dienstag, 11. September 2007
Die ganze Stadt ist ein Zoo
Christoph Geiser, Michael Krüger, Adam Zagajewski
Dienstag, 25. September 2007
Berlin liegt im Süden
Einar Kárason, Aris Fioretos, Hugo Hamilton
Donnerstag, 25. Oktober 2007
Im surrealistischen Käfig der Freiheit
Dževad Karahasan, Péter Nádas, Yang Lian
Freitag, 26. Oktober 2007
Streifzüge durch die Bibliothek und andere Benjaminaden
Juri Andruchowytsch, Paul Nizon, Aleš Šteger
Torgespräche zur Kunst
Stiftung Brandenburger Tor
Max Liebermann Haus, Pariser Platz 7, Berlin-Mitte
Montag, 01.10.2007
In Zusammenarbeit mit dem ART FORUM BERLIN
Über das Gestalten von Orten
Ayşe Erkmen und Stephen Willats im Gespräch mit Britta Schmitz, Kuratorin der Ausstellung
Montag, 05.11.2007
Erinnerungen an das Berliner Künstlerprogramm
Vortrag und Gespräch mit Wieland Schmied, ehemaliger Leiter DAAD Berlin, und Britta Schmitz, Kuratorin der Ausstellung
Torgespräche zur Literatur
Stiftung Brandenburger Tor
Max Liebermann Haus, Pariser Platz 7, Berlin-Mitte
Beginn 20 Uhr, Eintritt Euro 3,-
Montag, 12. November 2007
Abschied von der Insel
László F. Földényi, João Ubaldo Ribeiro, Joachim Sartorius
Mittwoch, 28. November 2007
Nachrichten aus der geteilten Welt
Reinhard Jirgl, Katja Lange-Müller, Sibylle Lewitscharoff
Das Literaturprogramm zu „Beyond the Wall“ wird kuratiert von Nina Hartl (Berliner Künstlerprogramm des DAAD) und von Thomas Geiger (Literarisches Colloquium Berlin).
Lesung im Rahmen der Berlin-Brandenburgischen Buchwochen
Dienstag, 6. November, 19:30 Uhr
Julia Franck, Preisträgerin des Deutschen Buchpreises 2007
liest aus ihrem Roman „Die Mittagsfrau“
Moderation Kolja Mensing
Eine gemeinsame Veranstaltung der Stiftung Brandenburger Tor und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels
Eintritt: 5,- €
Montag, 10. Dezember, 19:30 Uhr
Torgespräch im Rahmen des Projekts Literarisches Tandem Berlin - Kiew
Mit Friedrich Kröhnke und Oksana Sabuschko
Moderation: Prof. Dr. Hans-Joachim Neubauer
Eintritt: frei





