In der Ausstellung der Stiftung Brandenburger Tor im Max Liebermann Haus werden erstmalig die drei Künstlerfürsten Max Liebermann, Franz von Lenbach und Franz von Stuck gemeinsam betrachtet.
Beleuchtet werden das künstlerische Schaffen sowie die gesellschaftliche Verankerung, die Verwandtschaften und Verschiedenheiten der drei Maler. Bei aller Unterschiedlichkeit ihrer künstlerischen Richtungen verbinden sie ihr Erfolg und ihre große Anerkennung zu Lebzeiten sowie ihr selbtbewusstes, durchaus inszeniertes Auftreten. Allen drei Künstlern gelang es, ihr Ansehen als herausragende künstlerische Persönlichkeiten mit einer hohen gesellschaftlichen Stellung in Einklang zu bringen. Die Selbstbildnisse und die den Künstlern erteilten Aufträge – allen voran die Porträts – sowie ihre Wohnstätten spiegeln wider, was den Aspekt des Künstlerfürstentums ausmachte.
Im Nachklang zum Ausstellungsreigen der Staatlichen Museen zu Berlin seit Herbst 2008 unter dem Titel »Kult des Künstlers« wird die Ausstellung »Künstlerfürsten« den Aspekt der Repräsentation und Inszenierung der Künstler besonders hervorheben. Sie will dabei auch untersuchen, inwieweit die Entwicklung der drei Künstler möglicherweise voneinander abhing - sie alle kannten sich persönlich, und besonders Lenbach als der Älteste wirkte in mehrfacher Hinsicht sowohl als Vorbild als auch als Moment der Abgrenzung.
Den Ausgangspunkt bildet die Selbstinszenierung der Künstler in ihren Wohnräumen und auf Selbstporträts, eingeschlossen der fotografischen Porträts, die sie von sich zuließen, sowie Darstellungen ihrer Familienmitglieder, darunter Bildnisse der Ehefrauen Martha Liebermann, Mary Stuck - dargestellt als Salomé - oder Lolo von Lenbach sowie das berühmte Familienbild Stucks im Stile Velázquez’.
Daneben verdeutlichen besonders die Porträts anderer Personen, vor allem von Mitgliedern der gehobenen gesellschaftlichen Schichten, sowohl die künstlerische Wertschätzung als auch die gesellschaftliche Relevanz und Verknüpfung der Künstler und können so als Spiegel der jeweiligen Position fungieren.
Zu sehen sind u.a. Darstellungen von Kaiser Wilhlem I., Otto Fürst von Bismarck, Reichspräsident Hindenburg, Gerhard Hauptmann, Richard Stauss, Carl Duisberg, Richard Wagner, Marie Gräfin Schleinitz, Klara Baronin von Leipzig oder Tilla Durieux.
Aufgrund des Berlin-Bezuges wird Max Liebermann ein wenig mehr Raum gewährt, als den beiden Münchener „Fürsten“, deren Selbstinzenierung sich vor allem auch in ihren Wohnhäusern ausdrückt, die in schwarz-weiß Fotografien überliefert sind:
Lenbach lebte in einer der italienischen Renaissance nachempfundenen Villa in hervorragender Lage in Münchens Maximilianvorstadt, die er sich als „ein Mittelpunkt der Künste und deren gesellschaftlicher Belange“ wünschte. Stuck repräsentierte in seiner Villa an der Prinzregentenstraße in München, die in Form und Ausstattung vor allem seine Vorliebe für die Antike verdeutlicht. Gegen die opulent gestalteten „Herrensitze“ wirkten die Wohnhäuser Liebermanns am Brandenburger Tor und am Wannsee eher glanzlos und zurückgenommen, im düsteren Stil der Gründerzeit verharrt. Ausgestattet war jedoch das Haus am Pariser Platz 7 mit einer sagenumwobenen Sammlung fast aller berühmten französchen Impessionisten.
Franz von Lenbach hingegen umgab sich mit Kleinskulpturen von der Antike bis zur Renaissance, einigen Werken alter Meister sowie zahlreichen eigenen Kopien nach alten Meistern. Franz von Stuck stattete seine Villa mit Kopien antiker, meist römischer Bildwerke aus, die zumeist in direktem Zusammenhang mit der Architektur stehen.
Einige der Werke aus den Sammlungen der drei Maler werden im Max Liebermann Haus präsentiert. Dabei will die Ausstellung jedoch nicht in einer chronologischen Rangfolge des Grades der 'Modernität' der Künstler enden, sondern unterstreichen, in welchem Maße die Ausstattung mit Kunstwerken, d.h. mit einer eigenen Sammlung, ein Spiegel der persönlichen Weltanschauung als auch gesellschaftlichen Position sein konnte und zudem die bei allen dreien charakteristische Übersteigerung des Einzelnen als herausgehobenem Einzelkünstler aufzeigen. Bei Franz von Stuck manifestiert sich diese Überhöhung des Künstlers beispielsweise besonders in dem von ihm gestalteten Künstleraltar, dessen zentrale Werke in der Ausstellung zusammengeführt werden sollen.
Ein Katalog mit Abbildungen aller ausgestellten Werke und weiterführenden Beiträgen ausgewiesener Autoren ist im Nicolai-Verlag erschienen. Auf Wunsch können Sie diesen hier bestellen
(20,- Euro zuzügl. 4, - Euro Portokosten).
Zu der Ausstellung ist ein Begleitprogramm mit Lesungen und Vorträgen in Planung.








