"Neues vom Herrn Keuner" – Brecht-Funde aus der Schweiz
Auf der Grundlage der Brecht-Sammlung Renata Mertens-Bertozzi
3. Oktober – 28. November 2004
Eine Ausstellung der Stiftung Archiv der Akademie der Künste in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Brandenburger Tor“ und dem Strauhof Zürich.
In der Schweiz, Brechts Zwischenstation nach dem USA-Exil und vor Berlin, ist ein bedeutsames Konvolut an Brecht-Manuskripten aufgetaucht. Es sind Texte, Briefe und Arbeitsunterlagen, die Brecht bei seiner Gastgeberin und literarischen Agentin, der späteren Filmautorin Renata Mertens-Bertozzi (1918-2000) deponiert hatte, als er 1949 Zürich verließ. Das wichtigste Stück der Sammlung aus der Schweizer Zeit ist die Mappe "geschichten vom h k". Sie enthält fünfzehn bislang unbekannte Keuner-Geschichten, eine Gliederung und entstehungsgeschichtlich bedeutsame Varianten bereits publizierter Geschichten.
Die Ausstellung präsentiert den aufsehenerregenden Fund, den die Stiftung Archiv der Akademie der Künste erworben hat: Erstmals sind die unbekannten Texte zu sehen. Zeugnisse über Kontakte zu Intellektuellen wie Max Frisch, Caspar Neher, Kurt Hirschfeld oder Ernst Ginsberg, legendäre Theaterprojekte wie Antigone oder Herr Puntila und sein Knecht Matti, Buchpläne und Arbeitsvorhaben vermitteln einen Eindruck von der immensen Kreativität Brechts nach der Rückkehr auf den alten Kontinent. Der Stückeschreiber entzündete ein Feuerwerk an Ideen, dessen Fluchtpunkt die Stadt seines Vorkriegserfolgs war. Die Ausstellung verhält sich komplementär zur Ausstellung Bertolt Brecht in der Schweiz, die von März bis Mai 2004 im Strauhof Zürich zu sehen war und den Arbeitsplatz Zürich als Drehscheibe zwischen Exil und Wirkung im Nachkriegsdeutschland dokumentierte.
Im Zentrum stehen die Geschichten vom Herrn Keuner. Im Namen Keuner - eine der markantesten Erfindungen Brechts - steckt "koinos" - das Allgemeine, alle Betreffende, allen Gehörende. Es ergeht eine Einladung in das Denken des Herrn Keuner.




